Was ist geerbtes Porzellan wert?
Die ehrliche Antwort: Das meiste geerbte Porzellan ist heute fast wertlos. Komplette Speiseservices der 1960er- bis 1990er-Jahre bringen häufig nur 1 bis 5 Euro pro Teil, ein 30-teiliges Service damit rechnerisch oft nur rund 30 bis 150 Euro. Auch Sammelteller und Jahresteller sind trotz „limitierter Auflage" kaum verkäuflich. Echter Wert steckt in den Bodenmarken großer Manufakturen wie Meissen, KPM Berlin oder Nymphenburg, in Figuren, frühen Stücken des 18. und 19. Jahrhunderts und in Künstlerentwürfen, und das nur bei einwandfreiem Zustand. Deshalb gilt: Bodenmarken prüfen und einmal einschätzen lassen, bevor etwas in den Container geht.
Warum sind komplette Services und Sammelteller fast wertlos?
Porzellan war in Deutschland über Jahrzehnte Aussteuer, Hochzeitsgeschenk und Statussymbol: Das „gute Service" stand in fast jedem Wohnzimmerschrank und wurde geschont statt benutzt. Genau deshalb ist der Markt heute übersättigt: Dieselben Serien tauchen in unzähligen Nachlässen gleichzeitig auf, während die Zahl der Käufer schrumpft. Der Sammelboom der 1980er- und 1990er-Jahre ist vorbei, der Markt hat sich stark polarisiert: Gefragt sind Spitzenstücke großer Manufakturen, kaum noch gefragt ist Gebrauchsgeschirr. Klassische deutsche Serviceteile aus den 1960er- bis 1990er-Jahren erzielen häufig nur 1 bis 5 Euro pro Teil.
| Typischer Bestand im Nachlass | Realistischer Erlös |
|---|---|
| Speiseservice der 1960er- bis 1990er-Jahre (Rosenthal, Hutschenreuther, Villeroy & Boch u. a.) | Häufig nur 1 bis 5 Euro pro Teil, ein 30-teiliges Service rechnerisch rund 30 bis 150 Euro |
| Sammelteller, Jahresteller, Weihnachtsteller („limitierte Auflage") | Meist nur wenige Euro: Angeboten werden sie vielfach im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Eurobereich, tatsächlich erzielte Preise liegen häufig darunter, und viele Teller finden gar keinen Käufer |
| Zierteller und Vasen ohne lesbare Bodenmarke | Flohmarkt-Niveau, oft praktisch unverkäuflich |
| Figuren von Meissen, KPM oder Nymphenburg | Prüfen lassen: je nach Modell, Alter und Zustand dreistellig bis fünfstellig |
| Frühe markierte Stücke des 18. und 19. Jahrhunderts | Fall für das Auktionshaus, für seltenes frühes Meissener Porzellan wurden schon sechsstellige Summen erzielt |
Als Faustregel für einen aktiven Verkauf gelten drei Kriterien: eine lesbare Bodenmarke, Vollständigkeit (mindestens ein 6er-Gedeck) und ein Zustand ohne Chips, Haarrisse und starke Gebrauchsspuren. Sind höchstens eines davon erfüllt, ist das Geschirr meist ein Fall für Spende oder Weitergabe. Für den Erbfall heißt das: Das Porzellan gehört mit seinem Verkehrswert zum Nachlass (siehe Was gehört zum Nachlass?), dieser Wert ist aber in den meisten Fällen gering. Umso wichtiger ist der gezielte Blick auf die Ausnahmen.
Welche Bodenmarken zählen? Die sechs wichtigsten Manufakturen
Drehen Sie jedes Stück einmal um: Die Bodenmarke entscheidet, ob sich eine genauere Prüfung lohnt. Die wichtigsten deutschen Marken im Überblick:
| Manufaktur | Bodenmarke | Ehrliche Einordnung |
|---|---|---|
| Meissen (seit 1710) | Gekreuzte blaue Schwerter, von Hand in Unterglasurblau aufgetragen; 1722 vorgeschlagen, ab 1731 verbindlich auf jedem Stück | Wertvollste deutsche Marke: Figuren und frühe Stücke erzielen hohe Preise, Gebrauchsservices des 20. Jahrhunderts liegen deutlich darunter, Schleifstriche mindern zusätzlich (Details im nächsten Abschnitt) |
| KPM Berlin (seit 1763) | Kobaltblaues Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen, unter der Glasur | Hochwertige Manufaktur: gesucht sind frühe und künstlerisch bemalte Stücke; Serienware wie Weihnachtsteller bleibt trotzdem billig |
| Nymphenburg (seit 1747) | Von Hand eingeprägter Wittelsbacher Rautenschild, zusätzlich eine gemalte oder gestempelte Schildmarke: blau unter der Glasur bis etwa 1910, danach grün | Kleine Manufaktur mit geringen Auflagen: Figuren und Service lohnen eine fachliche Prüfung; über die Farbe der Schildmarke lässt sich das Stück grob datieren, suchen Sie deshalb nicht nur nach der Prägung |
| Rosenthal | Schriftzug „Rosenthal", je nach Epoche mit Krone | Überwiegend Gebrauchsware; gesucht sind vor allem Künstlerentwürfe der studio-line (seit 1961, über 150 Designer wie Gropius, Loewy, Wiinblad) |
| Hutschenreuther | Löwenmarke mit Schriftzug | Solide Gebrauchsware, meist geringe Erlöse; gebrauchte Teile werden vor allem als Ergänzung ausgelaufener Serien gehandelt |
| Villeroy & Boch | Schriftzug „Villeroy & Boch" in verschiedenen Varianten | Großserien-Gebrauchsware: Handel meist über Porzellanbörsen als Ersatzteil, geringe Einzelwerte |
Wichtig für die Erwartung: Die Marke allein macht kein Stück wertvoll. Auch bei Meissen und KPM entscheiden Alter, Modell, Seltenheit und Zustand, ein zerkratztes Serienteil bleibt billig. Fotografieren Sie die Bodenmarke deshalb immer zusammen mit dem ganzen Stück, das ist die Grundlage für jede Einschätzung.
Meissen im Detail: Schwerter, Schleifstriche, Jahreszeichen
Die gekreuzten Schwerter gehören zu den ältesten und bekanntesten Porzellanmarken. Vorgeschlagen wurden sie 1722, ab 1723 tauchten sie zunächst uneinheitlich neben anderen Marken auf, und erst ab 1731 wurden sie durch eine schriftliche Anordnung des kurfürstlichen Hofes verbindlich auf jedem Stück geführt, von Hand in kobaltblauer Unterglasurmalerei. Für die Datierung eines Nachlassfundes ist das wichtig: Sehr frühe Meissener Stücke können gar nicht oder anders markiert sein. Drei Dinge sollten Sie bei einem Meissen-Fund im Nachlass prüfen:
- Schleifstriche: modern und historisch verschieden zu lesen. Geschliffene Striche an der Schwertermarke kennzeichnen Ware, die die Manufaktur nicht als erste Wahl abgegeben hat. Entscheidend ist, aus welcher Zeit das Stück stammt. Bei neuerer Ware gilt: ein Strich unter den Schwertern bedeutet 2. Wahl. Das Schleifen durch die Schwerter hat die Manufaktur Ende 1985 zum Schutz der Marke eingestellt und kennzeichnet zweite Wahl seither mit diesem einen Strich unter der Marke. Bei älteren Stücken sitzen die Striche dagegen durch die Schwerter, dort stehen zwei Striche für 2. Wahl, drei für 3. Wahl und vier für 4. Wahl. Ein einzelner Strich durch die Schwerter hatte im späten 18. bis mittleren 19. Jahrhundert eine ganz andere Bedeutung: Er kennzeichnete unbemalte Weißware, die an selbstständige Hausmaler abgegeben wurde. Zweite Wahl wird spürbar niedriger gehandelt als erste Wahl, ein Schleifstrich ist aber kein Fälschungszeichen, sondern eine offizielle Kennzeichnung der Manufaktur. Seien Sie mit der reinen Strichzählung trotzdem vorsichtig: Eine veröffentlichte amtliche Übersicht der Manufaktur gibt es nicht, und die Angaben in Ratgebern und Händlerblogs widersprechen sich. Bei einem wertvollen Stück entscheidet deshalb die fachliche Prüfung, nicht die Zählung am Küchentisch.
- Jahreszeichen: Seit 1948 prägt Meissen zusätzlich ein Jahreszeichen in den Boden, zunächst kleine geometrische Zeichen, seit 1980 Buchstaben. Damit lässt sich das Herstellungsjahr eines Stücks eindeutig bestimmen, das hilft bei der Einordnung: Je früher das Stück, desto interessanter für Sammler. Das Jahreszeichen sagt Ihnen außerdem, welche der beiden Schleifstrich-Lesarten überhaupt in Frage kommt.
- Fälschungen: Die Schwertermarke wird seit jeher nachgeahmt. Warnsignale sind Marken, die nachträglich auf die fertige Glasur aufgebracht wurden statt unter der Glasur zu liegen, sowie „schwerterähnliche" Zeichen anderer Hersteller. Stücke ganz ohne Schwerter stammen trotz Meissen-Optik meist aus anderer Produktion. Bei Stücken, die aus dem 18. Jahrhundert stammen könnten, gilt allerdings das Gegenteil: Böttgersteinzeug und Erzeugnisse aus der Zeit vor der verbindlichen Kennzeichnung ab 1731 sind häufig gar nicht oder abweichend markiert, fehlende Schwerter schließen Meissen dort also nicht aus. Genau in dieser Gruppe liegen die höchsten Werte. Endgültige Sicherheit gibt bei teuren Stücken nur die Prüfung durch ein Auktionshaus oder einen Sachverständigen; Kaufbelege und alte Gutachten im Nachlass sind wertvolle Indizien.
Was hat bei Porzellan wirklich Wert?
Die Ausnahmen vom ernüchternden Gesamtbild sind klar umrissen. Prüfen Sie einen geerbten Bestand gezielt auf diese Punkte:
- Figuren großer Manufakturen: Hier liegt der größte Hebel. Beispiele aus Auktionen: 21 Figuren und ein Notenpult aus der Meissener Affenkapelle erzielten 2020 bei Van Ham 14.190 Euro, ein „Höfisches Liebespaar" nach Kändler 50.000 Euro und ein Tafelleuchter aus dem berühmten Schwanenservice 74.000 Euro. Solche Preise erreichen nur seltene, gut erhaltene Modelle, aber auch dreistellige Erlöse für einzelne Figuren rechtfertigen die Prüfung.
- Frühe Stücke des 18. und 19. Jahrhunderts: Für seltenes frühes Meissener Porzellan wurden bei großen Auktionen schon sechsstellige Summen erzielt. Je älter die Marke, desto eher lohnt die fachliche Einschätzung.
- Künstlerentwürfe: Designporzellan mit bekanntem Entwerfernamen, etwa aus der Rosenthal studio-line mit Entwürfen von Walter Gropius, Raymond Loewy oder Björn Wiinblad, hat einen eigenen Sammlermarkt.
- Echte Seltenheit statt Marketing-Limitierung: Sammelteller wurden als „limitierte Edition" in riesigen Auflagen verkauft und sind heute Massenware. Wertvoll sind dagegen Ausformungen, die tatsächlich selten sind: frühe Modelle, eingestellte Dekore, Probestücke.
- Zustand: Chips, Haarrisse und abgeriebene Dekore mindern den Wert erheblich, bei Sammlerstücken oft bis zur Unverkäuflichkeit. Auch Restaurierungen senken den Marktwert meist, lassen Sie beschädigte Stücke deshalb vor einem Verkauf nicht auf eigene Faust reparieren.
Denselben ehrlichen Blick auf andere Nachlass-Werte finden Sie in den Ratgebern Was ist geerbtes Gold wert?, Was ist 925er Silber wert? und Was ist eine Briefmarkensammlung wert?
Wo verkaufen Sie geerbtes Porzellan am besten?
Kurz gesagt: Figuren und frühe Stücke gehören ins Auktionshaus, makellose Markenservices an Porzellanbörsen, der Rest in Spende oder Weitergabe. Nachlassgut kauft selbst kein Porzellan an und bewertet auch nicht, der folgende Weg ist eine unabhängige Orientierung:
Sichten und fotografieren. Drehen Sie alle Stücke um und fotografieren Sie Bodenmarke und Gesamtansicht. Sortieren Sie nach den Marken aus der Tabelle oben und suchen Sie nach Indizien wie Kaufbelegen, Zertifikaten oder alten Gutachten. Werfen Sie vorher nichts weg und reparieren Sie nichts.
Kostenlose Ersteinschätzung einholen. Auktionshäuser schätzen bei Verkaufsabsicht kostenlos und unverbindlich, oft schon anhand von Fotos. Holen Sie bei größeren Beständen mindestens zwei Einschätzungen ein und lassen Sie sich Beträge immer als konkreten Auszahlungswert nennen.
Verkaufsweg nach Stück wählen. Die Übersicht unten zeigt, welcher Weg wofür geeignet ist und was er kostet.
| Verkaufsweg | Geeignet für | Kosten und Hinweise |
|---|---|---|
| Auktionshaus | Figuren, frühe Marken, geprüfte Einzelstücke | Einlieferer-Provision meist rund 15 bis 25 Prozent des Zuschlags, in der Regel zuzüglich Umsatzsteuer (bei 20 Prozent Provision sind das effektiv rund 23,8 Prozent), teils plus Los-, Katalog- oder Versicherungsgebühren; Auszahlung erst nach der Auktion |
| Fach- und Antikhandel | Schneller Komplettverkauf | Sofortige Zahlung, aber unter Auktionsniveau; mindestens zwei Angebote einholen |
| Porzellanbörsen und Serien-Ankäufer | Vollständige, makellose Markenservices ausgelaufener Serien | Ankauf als Ersatzteil-Lager, Preise pro Teil gering, dafür unkompliziert |
| eBay und Kleinanzeigen | Einzelteile gesuchter Serien, Künstlerentwürfe | Orientieren Sie sich an tatsächlich verkauften Artikeln, nicht an Angebotspreisen; Bruchrisiko beim Versand einkalkulieren |
| Spende oder Abgabe | Unverkäufliche Massenware | Sozialkaufhäuser und gemeinnützige Träger; die richtigen Entsorgungswege für den Rest erklärt richtig-entsorgt.de |
Taucht das Porzellan im Rahmen einer kompletten Wohnungsauflösung auf, gilt wie bei allen Wertsachen: erst sichten und schätzen lassen, dann räumen, mehr dazu unter Haushaltsauflösung im Todesfall. Für die Räumung selbst können Sie mehrere Anbieter vergleichen, auch unseren Schwester-Betrieb rümpelfix (Haushaltsauflösung und Entrümpelung): gleicher Betreiber wie Nachlassgut, unser Eigeninteresse legen wir damit offen, vergleichen Sie gern Angebote.
Müssen Sie den Verkauf versteuern?
In den meisten Fällen fällt beim Verkauf von geerbtem Porzellan keine Einkommensteuer an. Dahinter stehen zwei getrennte Gründe, je nachdem, was Sie verkaufen.
Der erste betrifft den Regelfall dieser Seite, das gewöhnliche Gebrauchsgeschirr: Gegenstände des täglichen Gebrauchs nimmt das Gesetz ausdrücklich vom privaten Veräußerungsgeschäft aus (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG). Alltagsgeschirr fällt damit gar nicht erst unter § 23 EStG, auch nicht, wenn Sie es kurz nach dem Erbfall verkaufen. Die Kehrseite: Ein Verlust aus einem solchen Verkauf ist steuerlich ebenfalls nicht abziehbar.
Der zweite Grund betrifft Sammler- und Wertstücke, also Figuren, frühe Marken und Künstlerentwürfe. Für sie gilt die Jahresfrist des § 23 EStG: Steuerpflichtig ist ein privater Verkauf nur, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt. Die Erbschaft selbst ist dabei kein Anschaffungsvorgang, als Erbe führen Sie die Haltedauer des Verstorbenen fort. Da geerbtes Porzellan praktisch immer deutlich länger im Besitz war, ist auch hier der Verkauf in aller Regel steuerfrei. Selbst innerhalb der Jahresfrist bleibt ein Gesamtgewinn unter 1.000 Euro pro Kalenderjahr steuerfrei, diese Freigrenze gilt für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen.
Davon getrennt ist die Erbschaftsteuer: Das Porzellan zählt mit seinem Verkehrswert zum Nachlass, bei gewöhnlichem Gebrauchsgeschirr spielt das wegen der geringen Werte praktisch keine Rolle. Das ist eine Einordnung und keine Rechts- oder Steuerberatung: Bei wertvollen Beständen oder unklaren Fällen klären Sie den Einzelfall mit einem Steuerberater oder dem Finanzamt.
Häufige Fragen
Was ist ein komplettes geerbtes Speiseservice wert?
Meist nur 1 bis 5 Euro pro Teil: Ein 30-teiliges Service der 1960er- bis 1990er-Jahre bringt damit rechnerisch oft nur rund 30 bis 150 Euro, unabhängig vom einstigen Kaufpreis. Der Markt ist mit nahezu identischen Nachlass-Services übersättigt, während die Nachfrage fehlt. Deutlich mehr erzielen nur Services großer Manufakturen wie Meissen oder KPM, frühe Serien und dokumentierte Handmalerei. Voraussetzung sind immer eine lesbare Bodenmarke, Vollständigkeit und ein Zustand ohne Chips und Haarrisse.
Woran erkenne ich, ob Porzellan wertvoll ist?
An der Bodenmarke auf der Unterseite: Gekreuzte blaue Schwerter stehen für Meissen, das kobaltblaue Zepter für KPM Berlin, der eingeprägte Rautenschild für Nymphenburg. Bei Nymphenburg finden Sie zusätzlich eine gemalte oder gestempelte Schildmarke, blau bis etwa 1910 und danach grün, suchen Sie also nicht nur nach der Prägung. Diese drei Manufakturen rechtfertigen fast immer eine fachliche Prüfung, vor allem bei Figuren und frühen Stücken. Rosenthal, Hutschenreuther und Villeroy & Boch sind dagegen überwiegend Gebrauchsware mit geringen Erlösen, gesucht sind dort vor allem Künstlerentwürfe wie die Rosenthal studio-line. Fotografieren Sie Bodenmarke und Stück und holen Sie eine kostenlose Einschätzung ein, bevor Sie etwas weggeben.
Was bedeuten Schleifstriche bei Meissen?
Schleifstriche kennzeichnen Ware, die Meissen nicht als erste Wahl abgegeben hat, und sie mindern den Wert deutlich. Wie Sie die Striche lesen, hängt vom Alter des Stücks ab: Bei neuerer Ware steht ein Strich unter den Schwertern für 2. Wahl, denn das Schleifen durch die Schwerter hat die Manufaktur Ende 1985 zum Schutz der Marke eingestellt. Bei älteren Stücken verlaufen die Striche durch die Schwerter, dort bedeuten zwei Striche 2. Wahl, drei Striche 3. Wahl und vier Striche 4. Wahl; ein einzelner Strich durch die Schwerter kennzeichnete im späten 18. bis mittleren 19. Jahrhundert unbemalte Weißware für selbstständige Hausmaler. Ein Schleifstrich ist kein Fälschungszeichen, sondern eine offizielle Kennzeichnung. Verlassen Sie sich bei wertvollen Stücken aber nicht auf die Strichzählung: Eine veröffentlichte Übersicht der Manufaktur gibt es nicht, und die Angaben in Ratgebern gehen auseinander.
Sind Sammelteller und Jahresteller etwas wert?
In aller Regel nein. Sammelteller, Jahresteller und Weihnachtsteller wurden als „limitierte Editionen" in riesigen Auflagen verkauft und sind heute Massenware: Angeboten werden sie vielfach im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Eurobereich, tatsächlich erzielte Preise liegen häufig darunter, und viele Teller finden gar keinen Käufer. Orientieren Sie sich deshalb an verkauften Artikeln, nicht an Angebotspreisen. Zertifikate und Originalkartons ändern wenig, weil fast jeder Teller mit Zertifikat verkauft wurde. Wer sicher gehen will, prüft einzelne frühe oder ungewöhnliche Serien per Foto-Einschätzung, erwartet aber keine nennenswerten Beträge.
Muss ich den Verkauf von geerbtem Porzellan versteuern?
In der Regel nein, und bei gewöhnlichem Geschirr sogar unabhängig von jeder Frist: Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind vom privaten Veräußerungsgeschäft ausdrücklich ausgenommen (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 2 EStG), Alltagsgeschirr fällt damit gar nicht unter § 23 EStG. Die Jahresfrist ist nur für Sammler- und Wertstücke wie Figuren, frühe Marken und Künstlerentwürfe relevant: Steuerpflichtig wäre ein Verkauf dort nur, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt, und als Erbe führen Sie die Haltedauer des Verstorbenen fort. Da geerbtes Porzellan praktisch immer deutlich älter ist, bleibt der Verkauf meist steuerfrei, zudem gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro Gesamtgewinn pro Jahr für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen. Das ist eine Einordnung und keine Steuerberatung, wertvolle Bestände klären Sie mit einem Steuerberater.
Amtliche und geprüfte Quellen (Auswahl): www.gesetze-im-internet.de. Stand: August 2026, Angaben ohne Gewähr.
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